Geburtstag der einheitlichen europäischen Bargeldwährung

Vor genau 20 Jahren, am 1. Januar 2002, nahm der Euro eine Bargeldform an und Einwohner von 12 Staaten erhielten die ersten Münzen und Banknoten. Heute hat der Euro die Landeswährungen von 19 Ländern ersetzt, in denen 340 Millionen Menschen leben.

Die Einführung der einheitlichen europäischen Währung hat die Ungleichheit zwischen den Ländern der Eurozone verstärkt. Es erzeugte auch viele Vorhersagen – einige mit Angst und andere mit Hoffnung. Wer hat sich nach 20 Jahren als richtig herausgestellt? Von der Deutschen Welle verstanden.

In den ersten drei Jahren wurde die neue europäische Währung aktiv im bargeldlosen Zahlungsverkehr – Handelsgeschäften und Banküberweisungen – verwendet. In der Silvesternacht vor 20 Jahren wurden erstmals Münzen und Banknoten von Einwohnern Deutschlands, Belgiens, Österreichs, Spaniens, Griechenlands, Irlands, Italiens, der Niederlande, Luxemburgs, Frankreichs, Finnlands und Portugals abgeholt. In der Geschichte der EU hat eine neue Ära begonnen, und es herrscht Unsicherheit: Die Schaffung einer großen Währungsunion hat zu vielen Vorhersagen Anlass gegeben. Dw mit den wichtigsten befasst.

Im Laufe der Zeit wird Großbritannien der Eurozone beitreten

Faktencheck DW: Prognose hat sich nicht bewahrheitet

Von allen Vorhersagen erwies sich diese als die fehlerhafteste. Bei einer Volksabstimmung sollte die Frage des Übergangs zum Euro diskutiert werden – es gab viele Befürworter im Land, zunächst eine Parallelzirkulation des Euro, längerfristig dann eine komplette Ablehnung des Pfunds. Nach der Brexit-Abstimmung verschwand das Thema jedoch von selbst – Großbritannien trat nicht der Eurozone bei und verließ die Europäische Union.

Euro wird neue Leitwährung

Faktencheck DW: Prognose bestätigt.

Reservewährungen werden als Währungen bezeichnet, die außerhalb der Länder, in denen sie offizielles Zahlungsmittel sind, weit verbreitet sind und einen Teil der Devisenreserven der Zentralbanken anderer Staaten halten. Tatsächlich ist der Euro zur zweitwichtigsten Reservewährung der Welt geworden, hinter dem US-Dollar, der weiterhin führend ist.

Laut IWF lauteten im zweiten Quartal 2021 mehr als 59 % aller offiziellen Devisenreserven der Welt auf US-Dollar, 20 % auf Euro. In der russischen NWF werden 40 % der angesammelten Mittel in Euro gehalten. Im internationalen Zahlungsverkehr werden Euro und Dollar in etwa gleich verwendet. Laut den Statistiken des globalen Interbankensystems SWIFT machten im Oktober 2021 EUR 38,1% des überwiesenen Geldes aus und USD – 39,1%.

Der Euro wird nicht so hart wie die D-Mark

Faktencheck DW: stimmt nicht.

Im Jahr 2002 taten sich die Deutschen schwer, sich von der D-Mark zu trennen, die zu Recht als besonders harte Währung galt. Nur ein Viertel der deutschen Bevölkerung glaubte an die Festigkeit der neuen Währung, wie Umfragen zeigen. Die Verlässlichkeit der einheitlichen europäischen Währung wird jedoch zumindest dadurch beredt, dass sie weltweit als eine der 2 wichtigsten Reservewährungen anerkannt ist.

Ein weiterer Indikator ist die niedrige Inflation. In den letzten 20 Jahren lag sie in der Eurozone im Durchschnitt bei 1,6 % pro Jahr. Und die D-Mark verlor in den letzten 20 Jahren ihres Bestehens jedes Jahr durchschnittlich 2,4 % an Wert. Die Stabilität des Euro kann jedoch keine Garantie für die Zukunft sein – nun hat sich die Inflationsrate in der Eurozone stark beschleunigt.

Verschärfung der Probleme südeuropäischer Länder durch Verweigerung nationaler Währungen

Faktencheck DW: Prognose bestätigt

Ende des letzten Jahrhunderts entwickelten sich die Volkswirtschaften der Länder Südeuropas nicht so dynamisch wie im Norden, und ihre Landeswährungen waren deutlich weniger fest als die Deutsche Mark.

Die Einführung der einheitlichen europäischen Währung hat sich zu einem starken Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung und den gegenseitigen Handel im Euroraum entwickelt: Das Gesamt-BIP der ersten 12 Länder, die auf Bargeld umgestellt haben, stieg um fast 50 %. Dies ist ein greifbarer Fortschritt, obwohl die US-Wirtschaft in den Vereinigten Staaten in all den Jahren im Durchschnitt doppelt so schnell gewachsen ist.

Der Übergang zu einer einheitlichen Hartwährung verschaffte den Südstaaten einerseits eine deutliche Senkung der Kosten für die sozioökonomische Entwicklung und Kredite für die Geschäftsausweitung. Aber auf der anderen Seite verschärfte er ihre wirtschaftlichen Probleme. Kehrseite des positiven Phänomens war übrigens der rasante Anstieg der Staatsverschuldung, der Anfang der 2010er Jahre zu einer Schuldenkrise führte.

Die Volkswirtschaften Italiens und Griechenlands beispielsweise haben durch den Übergang zum Euro ein bewährtes Mittel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen verloren – die Abwertung. Bisher lohnte es sich nur, den Wechselkurs der Drachme oder Lira zu senken, um Exportprodukte für Hartwährungsbesitzer günstiger zu machen und die preisliche Attraktivität dieser beiden Länder für Touristen aus dem Ausland zu erhöhen.

Nach der Aufgabe der nationalen Währungen verschwand dieser Mechanismus. Viele Unternehmen in Südeuropa konnten mit Herstellern aus anderen Euro-Ländern nicht mithalten und gingen in Konkurs. Dies führte zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit, die in vielen EU-Ländern noch immer recht hoch ist.

Es gibt jedoch auch einen positiven Moment – ​​der Übergang zum Euro ist zu einem ziemlich harten, aber wirksamen Anreiz für die Umsetzung überfälliger Reformen und umfassender Modernisierung in den südlichen Ländern der Eurozone geworden. Dies macht sich sowohl in Griechenland, das jetzt deutlich auf dem Vormarsch ist, als auch in Italien bemerkbar, das in diesem Jahr zu einer der Spitzenreiter beim Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union geworden ist.





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