Migranten und Impfstatistiken

Es gibt die Meinung, dass Migranten, einschließlich russischsprachiger Menschen, die Impfstatistik verderben, weil sie sich nicht impfen lassen wollen. Ob dem so ist, zeigt eine neue Studie in Deutschland, die solche Schlussfolgerungen widerlegt.

Es ist üblich zu schreiben DWdass ein großer Prozentsatz derjenigen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, Migranten in Deutschland sind und die Einheimischen des Landes bereitwillig geimpft werden. Lokale Medien schreiben darüber, so der Chefvirologe der Charité-Klinik, Christian Drosten, sagt die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey. Doch ganz stimmt das nicht, wie die neueste Studie von Spezialisten des Robert-Koch-Instituts bestätigt. Es wurde am vergangenen Donnerstag, den 3. Februar, veröffentlicht.

Eine soziologische Befragung der deutschen Bevölkerung wurde in fünf Sprachen, darunter auch Russisch, durchgeführt. Und wie sich herausstellte, gibt es tatsächlich mehr ungeimpfte Migranten. Aber der Grund liegt nicht darin, dass alle ausnahmslos Impfgegner sind. Elisa Wulcotte vom RKI stellt bei einer Online-Konferenz die Ergebnisse der Studie vor:

„Bemerkenswert ist, dass bei den Ungeimpften die Impfbereitschaft bei Migranten höher ist als bei Deutschen. Daher ist davon auszugehen, dass es unter den ungeimpften Migranten noch viele Menschen gibt, die sich auf eine Impfung vorbereiten. Aber die Impfkampagne bei Einheimischen Menschen, die einer Impfung zustimmen, hat offenbar fast alle erfasst.

Warum ist eine beträchtliche Anzahl geimpfter Migranten immer noch nicht geimpft? Ein wichtiger Faktor sind schlechte Sprachkenntnisse und eine Reihe anderer Gründe, sagt Eliza Wulkotte:

„Das ist das Bildungs- und Einkommensniveau, das Alter – je älter, desto mehr geimpft. Daher sollte sich die Impfkampagne vor allem an Menschen richten, die nicht gut Deutsch sprechen und einen niedrigen sozioökonomischen Status haben.“

Auch psychologische Faktoren spielen eine Rolle, etwa das Vertrauen in Impfstoffe und in das deutsche Gesundheitssystem insgesamt. Je höher das Vertrauen, desto höher die Impfbereitschaft der Migranten. Und wie die Studie gezeigt hat, haben Migranten immer noch etwas mehr Vorurteile gegenüber Impfstoffen als die Einheimischen des Landes. Zu den bedeutendsten gehören: 58 % der Migrantinnen haben Angst vor Unfruchtbarkeit (bei deutschen Frauen sind es 51 %), und Männer haben große Angst vor der Potenz.

Die RKI-Studie zielte nicht darauf ab, die Antworten von Migranten aus verschiedenen Ländern zu vergleichen, da die Stichprobe dafür zu klein war. Diese Frage wurde jedoch teilweise von Doris Schaeffer, Professorin an der Universität Bielefeld, beantwortet. Sie verglich Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR und aus der Türkei:

„Überraschend war für uns, dass entgegen der landläufigen Meinung die allgemeine medizinische Kompetenz dieser Migranten nicht schlechter, sondern im Allgemeinen sogar besser als die der Allgemeinbevölkerung ausgefallen ist, ebenso wie die Erfahrungen mit der Beschaffung digitaler Informationen Migrantinnen und Migranten suchen Informationen im Internet in verschiedenen Sprachen und auf den Websites ihrer Herkunftsländer, gleichzeitig fällt es ihnen wie den Einheimischen schwer, die Qualität der Informationen, ihre Neutralität und ihren Wahrheitsgehalt einzuschätzen.

Motzkan Ehari, Leiter des Informationsportals Handbuch Deutschland, ergänzt:

„Es gibt auch eine Kehrseite. Vieles hängt davon ab, von welchen Seiten sie sich informieren, welche Geschichten ihnen die Websites der Herkunftsländer erzählen, welche Fälschungen und Legenden dort übertrieben werden, welche Verschwörungstheorien verbreitet werden.“

Professor Schaeffer stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die Autoren der Studie der Universität Bielefeld einen signifikanten Unterschied festgestellt haben: Einwanderer aus der Türkei haben ein schlechteres Verständnis für die Notwendigkeit medizinischer Prävention, sie wissen viel weniger über Impfungen als Besucher aus der ehemaligen UdSSR. Über 30 % der türkischstämmigen Einwohner geben zu, dass ihnen verlässliche Informationen zum Thema Impfen fehlen, während es bei den russischsprachigen Personen nur 18 % sind.

Indikativ sind die Erfahrungen aus Bremen, das den höchsten Anteil an geimpften Einwohnern (87 %) und den höchsten Anteil an Migranten aller deutschen Bundesländer aufweist. Von Anfang an setzte er doppelt: sowohl auf große Impfzentren als auch auf mobile Gruppen. Letztere seien in dicht von Migranten besiedelte Gebiete gereist und hätten mit ihnen in ihrer Muttersprache kommuniziert, sagt Kai Bultmann, der Organisator der Impfaktion in Bremen.

Bei der Organisation mobiler Dienste wurden auch sozioökonomische Faktoren berücksichtigt. Beispielsweise wurden einige Migranten davon abgehalten, sich impfen zu lassen, weil sie Geld für öffentliche Verkehrsmittel ausgeben mussten, um zum Impfzentrum zu gelangen. Und das ist gar nicht so wenig – ein Ticket kostet 2,85 Euro nur einfache Fahrt. Erst später, als mit der Impfung der 5-Jährigen begonnen wurde, erhielten Familien bei Terminvereinbarung freie Fahrt mit Bus und Bahn.

Auf DW-Anfrage räumte Bultmann ein: „Natürlich ist es unmöglich, alle zu überzeugen, weil manche Menschen vieles tief verwurzelt haben, insbesondere das Misstrauen gegenüber den Institutionen der Staatsmacht.“ Nun, aggressive Impfgegner können nicht ausgeschlossen werden. Es ist unwahrscheinlich, dass es gelingen wird, Menschen zu überzeugen, die fest davon überzeugt sind, dass sie mit dem Offensichtlichen Recht haben.



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