Macron und Le Pen: Thema der Vorwahldebatte war der Krieg in der Ukraine

Vier Tage vor der Abstimmung führten Emmanuel Macron und Marine Le Pen, die französische Präsidentin und Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Rally National, die einzige Fernsehdebatte vor dem zweiten Wahlgang.

Eines der Hauptthemen im Streit zwischen Politikern sei der russische Angriff auf die Ukraine gewesen, schreibt er Luftwaffeund die Bedeutung dieser Debatte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die meisten Wähler überlegen noch, welchen der Kandidaten sie wählen sollen. Macron führt derzeit etwa 10 % vor Le Pen, weitere 10 % sind jedoch noch unentschieden.

Aus eigener bitterer Erfahrung, als Le Pen in der Debatte 2017 wegen Überemotionalität gegen Macron verlor, war sie diesmal zurückhaltender und sprach prägnanter. Der aktuelle Präsident hat eine viel aggressivere Taktik gewählt.

Wichtigstes Thema des Politikerstreits war der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Es ist erwähnenswert, dass sowohl Macron als auch Le Pen eine ziemlich lange Geschichte der Beziehungen zum Kreml haben. Der französische Präsident war einer der wenigen westlichen Politiker, die Moskau kurz vor dem Einmarsch einen Besuch abgestattet haben. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar verurteilte Macron das Vorgehen des Kremls scharf. Er unterstützte bedingungslos harte westliche Sanktionen und Waffenlieferungen nach Kiew. Aber auch die telefonische Kommunikation mit Putin hat er nicht eingestellt.

Le Pen kann getrost als einer der wichtigsten europäischen Verbündeten des russischen Präsidenten bezeichnet werden. Vor den Wahlen 2017 behauptete sie, sie glaube nicht an die Rechtswidrigkeit der Annexion der Krim durch die Russische Föderation: „Es gab ein Referendum, die Bewohner der Krim wollten sich Russland anschließen.“ In einem Gespräch mit BBC-Reportern im Jahr 2016 bezeichnete der Vorsitzende der National Association Wladimir Putins Regierungsstil als vernünftigen Protektionismus und fügte hinzu, dass er „die Interessen seines Landes, seine Identität verteidigt“.

Macron kritisierte in der aktuellen Debatte Le Pen scharf für ihre Position und versäumte nicht, an den 9-Millionen-Kredit zu erinnern, den ihre Partei 2014 von der Ersten Tschechisch-Russischen Bank erhalten hatte – Macron zufolge steht er den russischen Behörden nahe:

„Sie sind abhängig von den russischen Behörden und Sie sind abhängig von Putin. Wenn Sie mit Russland sprechen, sprechen Sie mit Ihrem Banker. Viele Ihrer Handlungen lassen sich durch diese Abhängigkeit erklären.“

Die französische Präsidentin erinnerte Le Pen auch an ihre Äußerungen zur Krim und fragte, aus welchen Gründen sie sie als Teil Russlands betrachte:

„Nach internationalem Recht erkennen wir Gebiete, die gewaltsam annektiert wurden, oft nicht an.“

Als Antwort erklärte Le Pen, dass sie sich selbst als „vollständig und in jeder Hinsicht freie Frau“ betrachte, und erklärte, dass ihr Darlehen weithin bekannt sei. Ihre Entscheidung, sich bei der Ersten Tschechisch-Russischen Bank zu bewerben, begründete sie so: „Es geschah, weil mir keine einzige französische Bank einen Kredit geben wollte.“ Sie bemerkte auch, dass sie gezwungen war, einen Kredit aufzunehmen, wie Millionen von Franzosen, die versuchten, unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu überleben. Wogegen Macron protestierte: Die Franzosen wenden sich im Gegensatz zu ihr nicht für Geld an Russland.

Marine Le Pen verurteilte Russlands Vorgehen gegen die Ukraine und sprach sich für Hilfe für Kiew aus, auch bei der Unterbringung von Flüchtlingen. Sie bemerkte: „Die Aggression, der die Ukraine zum Opfer gefallen ist, ist inakzeptabel.“ Sie warnte jedoch davor, dass Waffenlieferungen an die Ukraine Frankreich in Feindseligkeiten hineinziehen könnten. Vor einer Woche drückte Le Pen ihre Hoffnung aus, dass die Nato und Russland nach dem Krieg wieder engere Beziehungen aufnehmen könnten, was in der französischen Gesellschaft viel Kritik hervorrief.

Die politischen Debatten dauerten 2 Stunden und 45 Minuten, von denen ein erheblicher Teil einem starken Anstieg der Preise, einschließlich der Energiepreise, gewidmet war. Le Pen hat versprochen, die Mehrwertsteuer auf Energie zu senken, andere Steuern zu senken und die Einkommenssteuer für Personen unter 30 Jahren vollständig abzuschaffen. Macron wiederum wandte ein, dass seine Entscheidung, Preisobergrenzen zu verhängen, „doppelt so effektiv ist wie Steuersenkungen“.

Während des im Fernsehen übertragenen Streits diskutierten die Anwärter auf die Präsidentschaft Frankreichs viele Themen: die Reform EU, Migration und Einstellungen zum Islam, Rentenalter, Klimawandel auf dem Planeten. Was haben die Umfragen nach dem Ende der Debatte gezeigt?

Anscheinend hat sich der Vorteil des amtierenden Präsidenten verstärkt: Laut verschiedenen Prognosen kann er gewinnen und 53% bis 57% der Stimmen erhalten. Eine von Elabe für BFM TV durchgeführte Schnellumfrage ergab, dass 59 % der Zuschauer Macrons Argumente überzeugender fanden, während 39 % von Le Pens Aussagen überzeugter waren.



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