"Schwarzes Loch" im Gesundheitswesen in Griechenland

Als „schwarzes Loch“ im griechischen Gesundheitssystem wird nicht ohne Sarkasmus der Mangel an Ärzten und Pflegekräften bezeichnet.

Temporäre staatliche Maßnahmen wirken wie ein Schmerzmittel, nicht wie eine dauerhafte Heilung einer „blutenden Wunde“ im Gesundheitssystem, sagen Experten und verweisen auf einen eklatanten Fall – die Absage der schwierigsten und lebensrettendsten Operation, einer Lebertransplantation, denn … es gab keinen Anästhesisten!

Mit „Prämien“, Zulagen und der Einstellung von medizinischem Personal versucht die Führung des Gesundheitsministeriums, die Lücke in den Krankenhäusern des Landes (stationär und ambulant) zu schließen. Allen Widrigkeiten zum Trotz sind aufeinanderfolgende Krisen (Pandemien und Finanzen) entstanden Erstickende Arbeitsbedingungen für Ärztewodurch gleichzeitig wachsende Welle von Unzufriedenheit und Entlassungen.

Die Nachricht über eine Lebertransplantation im Hippokrates-Krankenhaus in Thessaloniki, die mangels eines Anästhesisten abgesagt wurde, ist laut Experten des Nationalen Gesundheitsdienstes nur die Spitze des Eisbergs.

düstere Realität

Der Neurochirurg des Krankenhauses in Nikiya und Generalsekretär der Federation of Hospital Doctors (Ομοσπονδίας Νοσοκομειακών Γιατρών (ΟΕΝΓΕ) Panayiotis Papanikolaou, schildert im Gespräch mit Vima eine düstere Realität.

„Es gibt eine massive Entlassungswelle in vier Kategorien von Spezialisten. Die erste betrifft alte, festangestellte Ärzte über 60 Jahre, die die harten Arbeitsbedingungen nicht ertragen können. Die zweite – jüngere Spezialisten, im Durchschnitt etwa 45 Jahre alt. Noch besorgniserregender ist, dass sie auf den Inseln und in schwierigen „kritischen“ Regionen dienen.

Der Grund sind seiner Meinung nach „gesetzliche Normen, auf deren Grundlage es für einen Pathologen oder Kinderarzt von Vorteil ist, aus dem NHS auszutreten und eine Privatpraxis zu eröffnen. Damit ist er von der Verpflichtung befreit, bis zu 20 Tage im Monat im Dienst zu stehen und gleichzeitig ein viel höheres Gehalt zu haben.

Aber die Liste derjenigen, die den Nationalen Gesundheitsdienst verlassen, endet hier nicht. Die Tendenz junger Fachkräfte, besser bezahlte Jobs im Ausland zu suchen, bleibt unverändert.

Allerdings nimmt auch das „schwarze Loch“ aufgrund von Pensionierungen zu (schätzungsweise etwa 700 Personen pro Jahr), während die Einstellung zahlenmäßig hinter dem resultierenden Bedarf zurückbleibt.

Das Beispiel des Syros-Krankenhauses ist illustrativ. Seit 2011 wurden 62 Pensionierungen angesammelt (was 2022 67 sein wird), während nur 17 Personen dauerhaft eingestellt wurden (von denen 1 versetzt wurde), so eine Erklärung der Warwakeio Hospital Workers Union. Und in der kardiologischen Klinik, der Intensivstation (ICU) und der Kinderklinik herrscht eklatanter Mangel an Pflegepersonal.

Echte Bedürfnisse

Laut Herrn Papanicolaou gibt es 5.500 unbesetzte Vollzeitstellen qualifizierter Ärzte, während der tatsächliche Bedarf seiner Meinung nach auf 8.500 Menschen steigt.

Was das andere Personal (einschließlich Krankenschwestern) anbelangt, „bestehen 26.000 bis 27.000 Vollzeitstellen und der tatsächliche Bedarf liegt bei 35.000.“ Vor diesem Hintergrund sind die 4000 anstehenden Einstellungen von Pflegekräften und 700 Ärzten nur eine „Aufschubpause“.

Das charakteristischste und ungeheuerlichste Phänomen für das nationale Gesundheitssystem war der Mangel an Anästhesisten. Laut Ενωση Νοσοκομειακών Ιατρών Θεσσαλονίκης, ΕΝΙΘ, arbeiten hier 9 festangestellte Ärzte, während es 27 Stellen gibt, und der tatsächliche Bedarf beläuft sich auf 40 festangestellte Anästhesisten.

Der Grund: Medizinabsolventen sprechen von einer hohen Arbeitsbelastung und einem geringen Gehalt, und Qualifizierte suchen einen Ausweg aus dieser Situation im privaten Gesundheitssektor. Es gibt keinen Vergleich zwischen den Löhnen im öffentlichen und privaten Sektor, da das monatliche Einkommen in den Kliniken des Landes sogar 5.000 Euro übersteigt, während in Zypern das entsprechende Gehalt 8.000 Euro erreicht.

Die Führung des Gesundheitsministeriums hat das Problem erkannt und versucht, die „schwierige“ und unlösbare Situation umzukehren.

Insbesondere stellen die Behörden den Anästhesisten bis Ende 2022 eine monatliche Notfallzulage in Höhe von 400 Euro zur Verfügung, die 2023 verlängert wird. Gleichzeitig wurde Ärzten, die ihre Zukunft positiver sehen und nicht beabsichtigen, ihre Heimat zu verlassen, das Recht auf eine Zweitfachbezeichnung im Bereich Anästhesiologie eingeräumt.

Aber auch für diejenigen, die sich bereits auf dieses dringend benötigte medizinische Fachgebiet spezialisiert haben, wird ein Zuschuss von 250 Euro gewährt.



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