Besuch des deutschen Bundeskanzlers in Griechenland

Premierminister Kyriakos Mitsotakis und Bundeskanzler Olaf Scholz, die am Mittwochabend in Athen eingetroffen sind, werden am Donnerstagmorgen die Akropolis besuchen.

Es wird erwartet, dass sie um 11:00 Uhr zu einem Treffen in die Maximos-Villa zurückkehren. Danach werden die Staats- und Regierungschefs der beiden Länder eine gemeinsame Pressekonferenz geben sowie eine Frage-und-Antwort-Runde mit den anwesenden Journalisten abhalten. Später findet ein erweitertes Geschäftsessen unter Beteiligung von Mitgliedern beider Delegationen statt.

Rüstung, griechisch-türkische Spannungen und die Energiefrage stehen im Mittelpunkt des Besuchs der Bundeskanzlerin. Panzertauschgeschäft besonders wichtig für Berlin – Griechenland gesendet 40 sowjetische BMP-1 in die Ukraine im Austausch für 40 deutsche Marder BMP. Ähnliche Vereinbarungen (Ringtausch) hat die Bundesregierung auch mit Tschechien und Polen abgeschlossen.

In einer sich verändernden Welt erwartet Athen von Berlin eine Führungsrolle in eine Richtung, die die grundlegenden Interessen Europas umfassend schützt. Das Beharren auf Haushaltsdisziplin und die Aufgabe ehrgeiziger gesamteuropäischer Pläne – mit der bemerkenswerten Ausnahme der Emission gemeinsamer Schulden während der Pandemie – spiegeln eine respektable Wirtschaftstheorie wider. Diese Theorie wird jedoch möglicherweise nicht den vielfältigen Herausforderungen gerecht, mit denen die Europäische Union derzeit konfrontiert ist. Es geht nicht nur um die Wirtschaft. Griechenland blickt in diesem Zusammenhang mit Argwohn auf die Entwicklung der deutsch-türkischen Beziehungen, auch auf der Ebene der Rüstungsexporte.

Bundeskanzler Scholz kommt mit einer typischen Agenda zur Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen nach Griechenland. Die deutschen Exporte nach Griechenland stiegen laut den neuesten deutschen Statistiken in den ersten acht Monaten des Jahres 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,3 % auf 5,2 Milliarden Euro.

Deutschlands Importe aus Griechenland stiegen um 7,5 % und beliefen sich auf rund 2 Milliarden Euro. Auch die Zusammenarbeit im Bereich Ökostrom floriert, ebenso wie bei deutschen Auslandsdirektinvestitionen in Griechenland. Daten der Bank of Greece zeigen, dass Deutschland im Jahrzehnt von 2011 bis 2021 zu den Top-3-Investoren gehörte.

Nicht zuletzt könnte der Besuch von Bundeskanzler Scholz in Griechenland den bilateralen Konsultationen eine neue kreative Dimension verleihen. Während Deutschland über eine Vereinbarung mit COSCO Shipping für ein Terminal im Hamburger Hafen nachdenkt, kann Griechenland seine eigenen Erfahrungen mit einem chinesischen Unternehmen vorweisen, das den Hafen von Piräus für die kommenden Jahrzehnte kontrollieren wird. Sowohl Deutschland als auch die Europäische Union versuchen, ihre Politik gegenüber China anzupassen, und die griechische Erfahrung ist eine nützliche Wissensquelle.



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